Textilia Lieder

Als wir jüngst in Regensburg waren

Als wir jüngst in Regensburg waren,
sind wir über den Strudel gefahren;
da war’n viele Holden, die mitfahren wollten,
| schwäbische, bayrische Dirndel juchheirassasa!
muß der Schiffsmann fahren. |


Und ein Mädel von zwölf Jahren
ist mit über den Strudel gefahren,
weil sie noch nicht lieben kunnt, kam sie sicher über’s Strudels Grund.
| schwäbische, bayrische Dirndel juchheirassasa!
muß der Schiffsmann fahren. |


Und vom hohen Bergesschlosse kam auf
stolzem schwarzen Rosse adlig Fräulein Kunigund,
wollt‘ mitfahren über’s Strudels Grund.
| schwäbische, bayrische Dirndel juchheirassasa!
muß der Schiffsmann fahren. |


Schiffsmann, lieber Schiffsmann mein,
sollt’s denn so gefährlich sein?
Schiffsmann sag’s mir ehrlich, ist’s denn so gefährlich?
| schwäbische, bayrische Dirndel juchheirassasa!
muß der Schiffsmann fahren. |


Wem der Myrtenkranz geblieben,
landet froh und sicher drüben,
Wer ihn hat verloren, ist dem Tod erkoren.
| schwäbische, bayrische Dirndel juchheirassasa!
muß der Schiffsmann fahren. |


Als sie auf die Mitt‘ gekommen,
kam ein großer Nix geschwommen,
nahm das Fräulein Kunigund, fuhr mit ihr in des Strudels Grund.
| schwäbische, bayrische Dirndel juchheirassasa!
muß der Schiffsmann fahren. |


Bemooster Bursche

Bemooster Bursche zieh‘ ich aus. Ade, ade. Behüt‘
dich Gott Philisterhaus. Ade. Zur alten Heimat geh‘ ich
ein, muss selber nun Philister sein. Ade •••
Refrain:
:Ade, ade, ade, ja Scheiden und Meiden tut Weh.:


Fahrt wohl ihr Strassen grad und krumm.- Ich zieh‘
nicht mehr in euch herum,- durchtön euch nicht mehr mit
Gesang, mit Lärm nicht mehr und Sporenklang. Ade •••


Was wollt ihr Kneipen all’von mir,- mein Bleiben ist
nicht mehr allhier,- winkt nicht mit eurem langen Arm,
macht mir mein durstig Herz nicht warm. Ade •••


Ei grüss euch Gott, Kollegia.- Wie steht ihr in Parade
da.- Ihr dumpfen sääle gross und klein, jetzt
kriegt ihr mich nicht mehr hinein. Ade •••


Auch du von deinem Giebeldach,- siehst mir umsonst,
o Kratzer nach.- Für schlechte Herberg‘ Tag und Nacht
sei dir ein Parest gebracht. Ade •••


Du aber blüh‘ und schalle noch.- Leb‘, alter Schlägerboden,
hoch.- In dir du trautes Ehrenhaus, verfachte
ich noch manchen Strauss. Ade •••


Da komm‘ ich ach, an Liebchens Haus.- 0 Kind
noch einmal heraus,- heraus mit deinen Aeuglein
mit deinem dunklen Lockenhaar. Ade •••


Und weiter, weiter geht mein Lauf.- Tut auch ihr
alten Tore auf.- Leicht ist mein Sinn und frei mein Pfad
-gehab dich wohl, du Musenstadt. Ade •••


Ihr Brüder drängt euch um mich her.- Macht mir
leichtes Herz nicht schwer.- Auf frischem Ross mit
Sang, geleitet mich den Weg entlang. Ade •••


Im nächsten Dorfe kehret ein.- Trinkt noch mit mir
von einem Wein.- Nun denn, ihr Brüder; sei’s weil’s muss
das letzte Glas der letzte Kuss. Ade ••


Ca – ça geschmauset

Ça, ça geschmauset,
laßt uns nicht rappelköpfisch sein!
Wer nicht mithauset,
der bleib‘ daheim.
Edite, bibite, collegiales!
| Post multa saecola pocula nulla! |


Der Herr Professor
liest heut‘ kein Kollegium:
drum ist es besser,
man trinkt eins ‚rum.
Edite, bibite, collegiales!
| Post multa saecula pocula nulla! |


Trinkt nach Gefallen,
bis ihr die Finger danach leckt;
dann hat’s uns allen
recht wohl geschmeckt!
Edite, bibite, collegiales!
| Post multa saecula pocula nulla! |


Auf, auf, ihr Brüder!
Erhebt den Bacchus auf den Thron
und setzt euch nieder,
wir trinken schon.
Edite, bibite, collegiales!
| Post multa saecula pocula nulla! |


So lebt man immer,
solang der junge Lenz uns blinkt
und Jugenschimmer
die Wangen schminkt.
Edite, bibite, collegiales!
| Post multa saecula pocula nulla! |


Knaster, den gelben,
hat uns Apollo präpariert
und uns denselben rekommandiert.
Edite, bibite, collegiales!
| Post multa saecula pocula nulla! |


Hat dann ein jeder
sein Pfeifchen Knaster angebrannt,
so nehm‘ er wieder
sein Glas zur Hand!
Edite, bibite, collegiales!
| Post multa saecula pocula nulla! |


So lebt man lustig,
weil es noch flotter Bursche heißt,
bis daß man rüstig
ad patres reist.
Edite, bibite, collegiales!
| Post multa saecula pocula nulla! |


Bis daß mein Hieber
vom Corpus iuris wird besiegt,
so lang, ihr Brüder,
leb‘ ich vergnügt!
Edite, bibite, collegiales!
| Post multa saecula pocula nulla! |


Denkt oft, ihr Brüder,
an unsre Jugendfröhlichkeit,
sie kehrt nicht wieder,
die goldne Zeit!
Edite, bibite, collegiales!
| Post multa saecula pocula nulla! |


Crambambuli

Crambambuli das ist der Titel des Tranks,
der sich bei uns bewährt;
das ist ein ganz probates Mittel,
wenn uns was Böses widerfährt.
Des Abends spät, des Morgens früh
trink ich mein Glas Crambambuli,
Crambimbambambuli, Crambambuli.


Bin ich im Wirtshaus abgestiegen,
gleich einem großen Kavalier,
dann lass‘ ich Brot und Braten liegen
und greife nach dem Pfropfenzieh’r;
dann bläst der Schwager tantari
zu einem Glas Crambambuli,
Crambimbambambuli, Crambambuli.


Reisst mich’s im Kopf, reisst mich’s im Magen,
hab ich zum Essen keine Lust;
wenn mich die bösen Schnupfen plagen,
hab ich Katarrh auf meiner Brust:
was kümmern mich die Medici?
Ich trink mein Glas Crambambuli,
Crambimbambambuli, Crambambuli.


Ach, wenn die lieben Eltern wüßten
der Herren Söhne große Not,
wie sie so flott verkeilen müßten,
sie weinten sich die Äuglein rot!
Indessen tun die Filli
sich bene beim Crambambuli,
Crambimbambambuli, Crambambuli.


Und hat der Bursch kein Geld im Beutel,
so pumpt er die Philister an
und denkt: Es ist doch alles eitel,
vom Burschen bis zum Bettelmann;
denn das ist die Philosophie
im Geiste des Crambambuli,
Crambimbambambuli, Crambambuli.


Soll ich für Ehr‘ und Freiheit fechten,
für Burschenwohl den Schläger zieh’n,
gleich blinkt der Stahl in meiner Rechten.
Ein Freund wird mir zur Seite steh’n;
zu dem sprech‘ ich: mon cher ami,
zuvor ein Glas Crambambuli,
Crambimbambambuli, Crambambuli.


Das war der Graf

Das war der Graf von Rüdesheim, mit Gütern reich beglückt,
der hat des Winzers holder Maid zu tief ins Aug‘ geblickt.
Doch als er ihr die Lieb gestand, lacht sie ihm ins Gesicht.
Der Graf ritt tief gekränkt nach Haus und mied des Tages Licht.
[ Und er sass und vergass in seiner Burg am Rhein seinen Schmerz,
denn das Herz tröstet Rüdesheimer Wein. ]


Wohl sieben Jahre sass er so geschieden von der Welt
und gab für Rüdesheimer Wein hin all sein Gut und Geld.
Wohl vierzig Güter gab er hin für edles Rebenblut,
und als das letzte Jahr verging, ging auch das letzte Gut.
[ Also sass… ]


Doch als das letzte Gut vertan, ging es dem Grafen schlecht.
Ein andrer Herr bezog das Schloss, da ward der Graf ein Knecht.
Die ganze Woche plagt‘ er sich im Wirtshaus vor der Burg.
Was in der Woche er verdient, bracht‘ er am Sonntag durch.
[ Und dann sass und vergass er im Kellerloch am… ]


Und die euch dieses Lied erdacht, die waren selber dort;
zu Fuss kam man den Berg herab, die Gelder waren fort.
Man haderte mit dem Geschick und härmte sich gar sehr.
Da hörte man vom edlen Graf die wundersame Mär.
[ Und man sass… ]


Der Papst lebt herrlich


Ein Heller und ein Batzen


Farbenkantus

Reine Tugend, frohe Jugend
streb‘ in deinem Herzen an.
Weiss ist ihr symbolisch Zeichen,
wir geloben, nicht zu weichen
von der ehrenvollen Bahn.


Lila Mütze, dich beschütze
freier Burschen freier Geist.
Wack’re Männer unser Streben,
Jugendfreude unser Leben,
Burschensinn den Weg uns weist.


Freundschaftssänge, helle Klänge
tönen froh aus unserem Hort.
Brüder, wie die Lilien blühen,
so soll unsere Freundschaft glühen,
ohne Falsch sei unser Wort.


Wir vereinen diese Reinen,
diese Farben unsere Zier:
Weiss und Lila-Weiss ertöne,
haltet hoch, Textilias Söhne,
unser heiliges Panier!


Gaudeamus Igitur

Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus;
post jucundam juventutem post molestam senectutem
| nos habebit humus! |


Ubi sunt, qui ante nos in mundo fuere?
vadite ad superos, transite ad inferos,
| ubi iam fuere. |


Vita nostra brevis est, brevi finietur,
venit mors velociter, rapit nos atrociter,
| nemini parcetur. |


Vivat academia, vivant professores,
vivat membrum quodlibet, vivant membra quaelibet,
| semper sint in flore! |


Vivant omnes virgines faciles, formosae!
vivant et mulieres, tenerae, amabiles,
| bonae, laboriosae! |


Vivat et res publica et qui illam regit!
vivat nostra civitas, maecenatum caritas,
| quae nos hic protegit! |


Pereat tristitia, pereant osores,
pereat diabolus, quivis antiburschius,
| atque irrisores! |


Grad aus dem Wirtshaus

Grad aus dem Wirtshaus, da komm ich heraus:
Strasse, wie wunderlich siehst du mir aus !
Rechter Hand, linker Hand, beides vertauscht,
Strasse, ich merke wohl, du bist berauscht.
– La, la, …


Was für ein schief Gesicht, Mond, machst denn du !
Ein Auge hat er auf, eins hat er zu.
Du wirst besoffen sein, das seh ich hell !
Schäme dich, schäme dich, 1alter Gesell !
– La, la, …


Und die Laternen erst, was muss ich sehen:
Die können alle nicht grade mehr steh’n.
Wackeln und fackeln die Kreuz und die Quer’,
scheinen besoffen mir allesamt schwer !
– La, la, …


Alles in Stürmen rings, grosses und klein
wag ich darunter mich nüchtern allein ?
Das scheint bedenklich mir, ein Wagestück !
Da geh ich lieber ins Wirtshaus zurück !
– La, la, …


(summend)
(pfeifend)
(schnalzend)


Hier sind wir versammelt


Ich gehe meinen Schlendrian


Im Krug zum grünen Kranze

Im Krug zum grünen Kranze, da kehrt‘ ich durstig ein, vallera !
[ da sass ein Wandrer drinnen, ja-ja-ja drinnen, am Tisch beim kühlen Wein. ]
das Schwein


Ein Glas ward eingegossen, das wurde nimmer leer, vallera !
[ sein Haupt ruht auf dem Bündel, ja Bündel, als wärs ihm viel zu schwer. ]
das Gewehr


Ich tät‘ mich zu ihm setzen, ich sah ihm ins Gesicht, vallera !
[ das schien mir gar befreundet, und dennoch kannt ich’s nicht. ]
das Gesicht


Da sah auch mir ins Auge der fremde Wandersmann, vallera !
[ und füllte meinen Becher, ja Becher, und sah mich wieder an. ]
der Wandersmann


Hei was die Becher klangen, wie brannte Hand in Hand, vallera !
[ es lebe die Liebste, deine, ja deine, Herzbruder, im Vaterland ! ] – 3x


In jedem vollen Glase Wein

In jedem vollen Glase Wein
seh‘ unten auf dem Grund
| ich deine hellen Äugelein |
| und deinen süßen Mund. |


Da trink‘ ich schnell und warte nicht
und küsse dich im Wein,
| aufs Neu zu schau’n dein Angesicht, |
| schenk schnell ich wieder ein. |


So füll und leer mein Gläschen ich
und trinke immerzu.
| Nennt man mich nächstens liederlich, |
| die Schuld, mein Schatz, hast du! |


Keinen Tropfen im Becher mehr

Keinen Tropfen im Becher mehr
Und der Beutel schlaff und leer,
Lechzend Herz und Zunge,
Angetan hat’s mir dein Wein,
Deiner Äuglein heller Schein
| Lindenwirtin, du junge! |


a) „Angekreidet wir hier nicht,
weil’s an Kreide uns gebricht“,
lacht die Wirtin heiter.
„Hast du keinen Heller mehr,
Gib zum Pfand dein Ränzel her,
| Aber trinke weiter.“ |


b) Und die Wirtin lacht und spricht:
„In der Linde gibt es nicht,
Kreid‘ und Kerbholz leider;
Hast du keinen Heller mehr,
Gib zum Pfand dein Ränzel her,
| Aber trinke weiter.“ |


Tauscht der Bursch sein Ränzel ein,
Gegen einen Krug voll Wein,
Tät‘ zum Geh’n sich wenden.
Spricht die Wirtin: „Junges Blut,
Hast du Mantel, Stab und Hut,
| Trink und laß dich pfänden.“ |


Da vertrank der Wanderknab‘
Mantel, Hut und Wanderstab,
Sprach betrübt: „Ich scheide.
Fahre wohl du kühler Trank,
Lindenwirtin jung und schlank,
| liebliche Augenweide |

(oder )| Schönste Augenweide.“ |


Spricht zu ihm das schöne Weib:
„Hast ja noch ein Herz im Leib,
Laß‘ mir’s, trauter Wand’rer!
oder (Laß‘ es mir zum Pfande!“)
Was geschah, ich tu’s euch kund:
Auf der Wirtin rotem Mund
| brannte heiß ein and’rer! |
(oder) | Heiß ein andrer brannte! |


Der dies neue Lied erdacht,
Sang’s in einer Sommernacht
Lustig in die Winde.
Vor ihm stand ein volles Glas,
Neben ihm Frau Wirtin saß
| Unter der blühenden Linde |


Nach Süden nun sich lenken

Nach Süden nun sich lenken
die Vöglein allzumal,
viel Wandrer lustig schwenken
die Hüt im Morgenstrahl.
Das sind die Herren Studenten,
zum Tor hinaus es geht,
auf ihren Instrumenten
sie blasen zum Valet:
Ade in die Läng und Breite,
o Prag, wir ziehen in die Weite:
et habeat bonam pacem,
qui sedet post fornacem!


Nachts wir durchs Städtlein schweifen,
die Fenster schimmern weit,
am Fenster drehn und schleifen
viel schön geputzte Leut.
Wir blasen vor den Türen
und haben Durst genug,
das kommt vom Musizieren,
Herr Wirt einen frischen Trunk!
Und siehe, über ein Kleines
mit einer Kanne Weines
venit ex sua domo
beatus ille homo.


Nun weht schon durch die Wälder
der kalte Boreas,
wir streichen durch die Felder,
vom Schnee und Regen naß.
Der Mantel fliegt im Winde,
zerrissen sind die Schuh
da blasen wir geschwinde
und singen noch dazu:
Beatus ille homo,
qui sedet in sua domo,
et sedet post fornacem
et habet bonam pacem.


Trautes Schätzchen


Viola Bass und Geigen


Vom hoh’n Olymp

Vom hoh’n Olymp herab ward uns die Freude,
ward uns der Jugend Traum beschert;
drum, traute Brüder, trotzt dem blassen Neide,
der unsre Jugendfreuden stört!
Feierlich schalle der Jubelgesang
schwärmender Brüder beim Becherklang!


Ja, feierlich schalle der Jubelgesang
schwärmender Brüder beim Becherklang!

Versenkt ins Meer der jugendlichen Wonne
lacht uns der Freuden hohe Zahl,
bis einst am späten Abend uns die Sonne
nicht mehr entzückt mit ihrem Strahl.
Feierlich schalle der Jubelgesang
schwärmender Brüder beim Becherklang!
Ja, feierlich schalle der Jubelgesang
schwärmender Brüder beim Becherklang!


So lang es Gott gefällt, ihr lieben Brüder,
woll’n wir uns dieses Lebens freu’n
und, fällt der Vorhang einst dann uns hernieder,
vergnügt uns zu den Vätern reih’n.
Feierlich schalle der Jubelgesang
schwärmender Brüder beim Becherklang!
Ja, feierlich schalle der Jubelgesang
schwärmender Brüder beim Becherklang!


Herr Bruder, trink aufs Wohlsein deiner Schönen,
die deiner Jugend Traum belebt!
Laß ihr zu Ehr‘ ein flottes Hoch ertönen,
daß ihr’s durch jede Nerve bebt.
Feierlich schalle der Jubelgesang
schwärmender Brüder beim Becherklang!
Ja, feierlich schalle der Jubelgesang
schwärmender Brüder beim Becherklang!


Ist einer unsrer Brüder dann geschieden,
vom blassen Tod gefordert ab,
so weinen wir und wünschen Ruh und Frieden
in unsres Bruders kühles Grab.
Weinet und wünschet Ruhe hinab
in unsres Bruders kühles Grab.
Ja, weinet und wünschet Ruhe hinab
in unsres Bruders kühles Grab.


Weg mit den Grillen und Sorgen

Weg mit den Grillen und Sorgen, Brüder, es lacht ja der Morgen
uns in der Jugend so schön! Laßt uns die Becher bekränzen,
laßt bei Gesängen und Tänzen uns durch die Pilgerwelt gehn,
bis uns Zypressen umwehn!


Flüchtig verrinnen die Jahre, schnell von der Wiege zur Bahre
trägt uns der Fittich der Zeit. Noch sind die Tage der Rosen,
schmeichelnde Lüftchen umkosen Busen und Wangen uns heut:
Brüder, genießet die Zeit!


Fröhlich zu wallen durchs Leben, trinken vom Safte der Reben,
heißt uns der Wille des Herrn. Auf denn, ihr fröhlichen Zecher,
singt seine Güte beim Becher! Fröhliche sieht er so gern.
Preiset den gütigen Herrn!


Sehet in Osten und Westen keltert man Trauben zu Festen:
Gott gab zur Freude den Wein! Gott schuf die Mädchen zur Liebe,
pflanzte die seligsten Triebe tief in den Busen uns ein.
Liebet und trinket den Wein!


Dräut euch ein Wölkchen von Sorgen, scheucht es durch Hoffnung
bis morgen! Hoffnung macht alles uns leicht.
Hoffnung, du sollst uns im Leben liebend und tröstend umschweben,
und wnn Freund Hein uns beschleicht, mache den Abschied uns leicht!


Wie glüht er im Glase


Wütend wälzt sich einst

Wütend wälzt sich einst im Bette
Kurfürst Friedrich von der Pfalz;
gegen alle Etikette
brüllte er aus vollem Hals:
| Wie kam gestern ich ins Nest?
Bin scheint’s wieder voll gewest! |


Na, ein wenig schief geladen,
grinste drauf der Kammermohr,
selbst von Mainz des Bischofs Gnaden
kamen mir benebelt vor,
| war halt doch ein schönes Fest:
Alles wieder voll gewest! |


So? Du findest das zum Lachen?
Sklavenseele, lache nur!
Künftig werd ich’s anders machen,
Hassan, höre meinen Schwur:
| ’s letzte Mal, bei Tod und Pest,
war es, daß ich voll gewest! |


Will ein christlich Leben führen,
ganz mich der Beschauung weihn;
um mein Tun zu kontrollieren,
trag ich’s in mein Tagbuch ein,
| und ich hoff, daß ihr nicht lest,
daß ich wieder voll gewest! |


Als der Kurfürst kam zu sterben,
machte er sein Testament,
und es fanden seine Erben
auch ein Buch in Pergament.
Drinnen stand auf jeder Seit:
seid vernünftig, liebe Leut,
| dieses geb ich zu Attest:
Heute wieder voll gewest. |


Hieraus mag nun jeder sehen,
was ein guter Vorsatz nützt,
und wozu auch widerstehen,
wenn der volle Becher blitzt?
| Drum stoßt an! Probatum est:
Heute wieder voll gewest! |


Diese Website benutzt funktionelle Cookies und externe Skripte, um dein Benutzererlebnis zu verbessern. Datenschutzerklärung öffnen Akzeptieren